„Ich habe große Schuld auf mich geladen.“ Mit diesen Worten hat ein 46-jähriger Kinderarzt zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Potsdam den jahrelangen sexuellen Missbrauch von Patienten gestanden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mediziner aus dem Havelland 130 Straftaten vor. Mehr als 70 Menschen sollen betroffen sein. Zum Zeitpunkt der Taten waren sie zwischen zwei und 20 Jahre alt.

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Der Angeklagte erklärte, er habe bereits nahezu alle Taten eingeräumt. „Dabei wird es bleiben“, sagte er vor Gericht. Den Betroffenen wolle er damit ersparen, ihre Erlebnisse im Zeugenstand schildern zu müssen. Ob ihnen eine Aussage tatsächlich erspart bleibt, hängt jedoch vom weiteren Prozessverlauf ab.
Missbrauchsprozess in Potsdam: Vorwürfe reichen bis 2013 zurück
Mehr als zwei Stunden lang verlas die Staatsanwaltschaft zum Prozessauftakt die Anklageschrift. Die ältesten Vorwürfe reichen bis Dezember 2013 zurück. Demnach soll der Kinderarzt über mehr als ein Jahrzehnt hinweg Patienten sexuell missbraucht haben.
Die mutmaßlichen Taten beschränkten sich nicht auf einen einzigen Ort. Laut Anklage soll der Mediziner an zwei Klinikstandorten, in einem ärztlichen Bereitschaftszimmer sowie in mehreren Kindertagesstätten übergriffig geworden sein. Die sexuellen Handlungen soll er zudem auf Fotos und in mehreren Fällen auch auf Videos festgehalten haben.
Ermittlungen gegen Kinderarzt: Eine Mutter brachte die Ermittlungen ins Rollen
Der Fall kam im November 2025 ans Licht, als eine Mutter Anzeige gegen den Kinderarzt erstattete. Was zunächst als einzelner Verdachtsfall begann, weitete sich nach der Auswertung von Datenträgern erheblich aus. Die Ermittler stießen auf Hinweise auf zahlreiche weitere Taten, die teils mehr als zehn Jahre zurücklagen.
Noch im selben Monat kam der 46-Jährige wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft. Die Justiz sah demnach das Risiko, dass er weitere vergleichbare Straftaten begehen könnte. Der Mediziner war bei der Havelland-Kliniken GmbH beschäftigt, die westlich von Berlin zwei Krankenhäuser betreibt.
Missbrauchsprozess in Potsdam: Auch nach dem Geständnis bleiben Fragen offen
Zum Prozessauftakt waren 15 Nebenkläger im Gerichtssaal anwesend. Sie können sich als Betroffene dem Strafverfahren anschließen und eigene Rechte geltend machen. Das Landgericht Potsdam hat insgesamt 18 Verhandlungstage angesetzt. Trotz seines Geständnisses muss sich der Kinderarzt für die einzelnen Tatvorwürfe verantworten. Das Gericht hat zu prüfen, welche Taten nachgewiesen sind und welche Strafe angemessen ist.
Offen bleibt auch, wie der mutmaßliche Missbrauch über so viele Jahre unentdeckt bleiben konnte. Ob es in den betroffenen Einrichtungen frühere Verdachtsmomente gab oder Hinweise übersehen wurden, ist bislang nicht bekannt. Belege für mögliche Versäumnisse bei der Aufsicht über den Arzt liegen nach den bisher bekannten Informationen nicht vor.
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mit dpa
Anmerkung der Redaktion
Von (häuslicher) Gewalt betroffene Personen können sich an die Telefonseelsorge wenden. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt. Das Opfer-Telefon des Weißen Rings ist unter 116 006 erreichbar. Opfer und Zeugen von häuslichen Gewalttaten können – bei Tag und Nacht – über den Notruf 110 Hilfe holen.
Frauen erhalten zudem Unterstützung beim bundesweiten Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ der Bundesregierung unter der 116 016. Der Anruf ist kostenlos und auf Wunsch anonym. Über die Internetseite www.hilfetelefon.de können sich Betroffene zudem online per E-Mail oder Chat beraten lassen.
Das Männerhilfetelefon ist unter der bundesweiten Telefonnummer 0800 123 99 00 zu erreichen. Hilfe erhalten Betroffene auch im Internet auf der Seite der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz.











