Eigentlich sollte es eine sorgfältig inszenierte Enthüllung werden. Eine Woche lang hatte das Organisationskomitee der Olympischen und Paralympischen Spiele 2032 Puzzleteile durch den australischen Bundesstaat Queensland getragen, nach Cairns, Townsville und Rockhampton, an die Sunshine Coast und an die Gold Coast. Am Montag sollten sie sich zum Emblem fügen.

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Dann lud der offizielle YouTube-Kanal von Brisbane 2032 am Freitag kurzzeitig ein Video zur „Erklärung des Emblems“ hoch. In der oberen rechten Ecke waren beide Logos zu sehen: ein rosafarbener Kakadu für die Olympischen Spiele, ein Gelbhaubenkakadu für die Paralympischen. Die Inspiration dahinter stand in der Videobeschreibung.
Ein Screenshot gelangte auf Reddit, wurde dort aber vom juristischen Team der Plattform entfernt. Am Samstagmorgen veröffentlichte das Komitee die Logos selbst auf Instagram mit dem Kommentar: „Betrachten Sie dies als Ihre offizielle Enthüllung.“ Die Embleme seien von Riff, Stränden und Hinterland inspiriert. „Unverwechselbar. Unverkennbar Queensland. Und einfach ein kleines bisschen frech.“
Olympische Spiele 2032 in Brisbane: Sportminister reagiert gelassen
Frech war auch der Auftritt von Tim Mander, dem für die Spiele zuständigen Sportminister Queenslands. In der „Today Show“ des australischen Fernsehsenders Nine musste er sich zum Leck erklären und gab sich unbeeindruckt. „Ich freue mich eigentlich, dass es endlich raus ist“, sagte er. Moderatorin Alison Piotrowski konterte trocken: „Das ist eine Art, es sich schönzureden.“
Mander verwies darauf, dass viele Leute so eifrig nach dem Emblem gesucht hätten, dass sie das Internet durchforstet und es gefunden hätten. Über Theorien, ob das Leck Absicht war, wollte er nicht streiten. „Es ist für eine kurze Zeit aufgetaucht, und jetzt ist es in der Welt“, sagte er. Die Queenslander würden das Logo annehmen: „Sie werden es überall sehen. Es wird für viele, viele Jahrzehnte ein Synonym für Brisbane 2032 sein.“ Am Montag soll die Einführung mit der Geschichte hinter dem Emblem und animierten Visionen trotzdem stattfinden.
Australien: Ein Olympiastadion auf spirituellem Grund
Ein Kakadu-Fauxpas ist verkraftbar. Schwerer wiegen die Konflikte, die das Projekt seit Langem begleiten. Der größte betrifft den Victoria Park, in der Sprache des indigenen Volkes Yagara Barrambin genannt. Dort baut die Regierung Queenslands ein Olympiastadion für 3,6 Milliarden australische Dollar, umgerechnet etwa 2,2 Milliarden Euro.
Anfang Juni ging der Park an die staatliche Olympia-Infrastrukturbehörde GIICA über. Aunty Sandra King, Vertreterin der Yagara, wurde im nahen Royal Brisbane Hospital geboren und verbrachte ihre ersten Lebensjahre in einer Hütte im Park. „Hier fanden Zeremonien statt, hier lagen Geburtsorte, Begräbnisplätze“, sagte sie gegenüber Journalisten. Besonders erzürnt sie, dass die Indigenen aus ihrer Sicht für die Bewerbung eingespannt wurden: „Sie haben uns benutzt, um die Spiele nach Brisbane zu holen.“

Aunty Gaja Kerry Charlton, Yagara-Älteste und traditionelle Eigentümerin, reichte mit weiteren Beteiligten fünf Einsprüche nach dem Aboriginal and Torres Strait Islander Heritage Protection Act ein. Der Vizepremier von Queensland, Jarrod Bleijie, wollte nicht auf die Prüfung durch den Bundesumweltminister Murray Watt warten. Auf die Frage, ob die Arbeiten bis zu dessen Entscheid ruhen könnten, antwortete er: „Auf keinen Fall. Wir ziehen das durch.“
So kam es dann auch: Der Stadionbau konnte nicht gestoppt werden und geht voran. Der Hydrogeologe Ned Hamer hatte den Park als letzten natürlichen Quellkomplex Brisbanes beschrieben. Zudem stehen dort über 4000 Bäume, manche 250 bis 800 Jahre alt. Charlton warf dem IOC vor, die eigenen Vorgaben zu missachten: „Sie brechen ihre eigene Charta.“
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Olympisches Rudern mit Krokodilen
Weniger bitter, dafür aber ausgesprochen kurios war der zweite Streit: Queensland-Premier David Crisafulli hatte es sich in den Kopf gesetzt, die Ruderwettbewerbe auf dem Fitzroy River in Rockhampton auszutragen, 630 Kilometer nördlich von Brisbane, damit auch die Regionen profitieren. Im Fluss leben Salzwasserkrokodile, die in Australien seit den 1970er-Jahren geschützt sind. „Wenn es für die Kinder in Zentral-Queensland gut genug ist, dann ist es meiner Meinung nach auch gut genug für Pierre aus Paris“, sagte Crisafulli. Brisbanes Olympia-Chef Andrew Liveris urteilte: „Es gibt Haie im Meer, und wir surfen trotzdem.“

Australiens Premierminister Anthony Albanese war zunächst weniger überzeugt. „Ich bin mir nicht sicher, wie sinnvoll dieser Vorschlag ist“, sagte er in einer Radiosendung des Senders B105 und hielt den Fluss eher für Spaziergänge geeignet. Die Athleten könnten allerdings Weltrekorde brechen, scherzte er.
Sarah Cook von Rowing Australia hatte sich von Anfang an weniger um die Reptilien als um die Strömung im Fluss gesorgt. Diese könnte die strengen Kriterien verfehlen, erklärte sie dem staatlichen Sender ABC im vergangenen Jahr. Denn weder World Rowing noch das IOC waren anfangs zum Standort konsultiert worden. Krokodilfarmer John Lever dagegen beruhigte in seinem ABC-Interview: „Es ist wahrscheinlicher, auf dem Weg zur Bootsrampe von einem Bus angefahren zu werden, als von einem Krokodil mitgerissen zu werden.“ Inzwischen ist auch der Fitzroy River offiziell als Austragungsort der Ruderwettbewerbe bestätigt.






